Seit über zwei Jahren gehen zahlreiche ‚Unzufriedene’ in Weimar auf die Straße, um ihren Unmut gegenüber der Regierung nach Außen zu tragen. Es geht um die Aufklärung der sogenannten ‚Corona-Verbrechen’ um die freie Zukunft der Kinder, den Frieden in Deutschland, den Kampf gegen Insekten im Essen, den Erhalt des Bargeldes, um die Rettung des Sozialsystems… Aufgrund der Bandbreite an Themen und Forderungen, scheint es fast unmöglich, den Montagsspaziergängen eine Überschrift zu geben. Die Mobilisierungsprognosen eines ‚Heißen Herbstes’ im Spätherbst und Winter 2022 sind zwar nicht eingetreten, trotzdem scheint die Flamme des Widerstands in der Bewegung der Montagsspaziergänge durch Krisen immer wieder angefacht zu werden. Vor dem Hintergrund einer drohenden Klimakatastrophe sehen wir uns mit einer gesamtgesellschaftlich zu bewältigenden Krise konfrontiert und stehen damit auch vor der Frage, wie mit diesem Protest und einer lodernden Unzufriedenheit umgegangen werden soll. Die Verbreitung sogenannter ‚alternativer’ Medien und Berichterstattung trägt wesentlich zur Stärkung einer Protestidentität bei. Aus Skepsis und Ablehnung gegenüber etablierten und öffentlichen Medien werden Telegramgruppen, YouTube-Kanäle, Internetforen und Printmedien zum Mittel der Wahl, wenn es um die Verbreitung von Desinformationen und die interne Vernetzung geht. Informationen lassen sich über diese Kanäle besonders breit und niedrigschwellig verbreiten. Das Medium der Zeitung wird auf den Demonstrationen genutzt, um eine alternative Wahrheit zu den etablierten ‚Massenmedien’ zu schaffen. Über reißerische Titel im sogenannten Demokratischen Widerstand oder teils verschwörungsideologische und staatskritische Kommentare wie in den Pamphleten des Weimarer ‚Liedermachers’ Vincent Herb, professionalisiert sich eine Berichterstattung im Dagegen, die kritisch betrachtet werden muss. Mit dem Präsentieren und Verteilen der Zeitung im Stadtraum, soll sich das Printmedium kritisch angeeignet werden, um eine Alternative zur Alternative zu schaffen. In der Zeitung Der Montag sollen Stimmen Raum bekommen, die sich kritisch mit den Montagsspaziergängen auseinandergesetzt haben bzw. auseinandersetzen oder in anderer Form Berührungspunkte mit der Bewegung haben. In diesem Format soll anhand diverser Zugänge aufgezeigt werden, dass es in Weimar eine breite Öffentlichkeit gibt, die sich gegenüber den Montagsspaziergängen positioniert. Der Montag bildet dabei eine Sammlung an Kommentaren, erhebt jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Viel Spaß beim Lesen!

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